Im zerrissenen Königreich

Englandfahrt der 9.Klassen (07.04-12.04.19)

England – Land kruder Vorschriften (seit dem 14. Jahrhundert ist es beispielsweise per Gesetz verboten, im Palace oft Westminster, dem Sitz des Parlaments, zu sterben), merkwürdiger Vorrechte der Obrigkeit (seit 1324 gehört zum Beispiel jeder Wal und jeder Stör an der britischen Küste offiziell dem König), weltweit bekannter Spitzenküche und außerdem das Ziel unserer sechstägigen Reise.

Nach einer sechzehnstündigen Anreise inklusive Überfahrt per Fähre über den Ärmelkanal, die letztlich auf einem Aldi-Parkplatz mitten im mittlerweile dunklen Hastings endete, wurden wir auf die Gastfamilien verteilt.

Am nächsten Tag besichtigten wir zunächst den Kiesstrand, den Pier und Teile der Altstadt von Hastings, bevor uns Lady Rebecca vom Restaurant „Jenny Lind“ in einem sehr lebendigen und enthusiastischen Vortrag in die britische Teekultur einführte. Den Nachmittag verbrachten wir im mittelalterlichen Städtchen Rye und auf dem Schlachtfeld des "The Battle of Hastings", wo sich heute eine Klosterruine und eine wirklich faszinierende grüne Wiese befinden.

Auf einer dreistündigen Busfahrt legten wir am darauffolgenden Tag die 110 km zwischen Hastings und London zurück, um die weltberühmten Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt zu besichtigen. Von der City of Westminster, Regierungsviertel mit Westminster Palace und Westminster Abbey, ging es zum Buckingham Palace und anschließend zum Leicester Square, wo sich das Odeon Cinema, das Zentrum der britischen Filmindustrie, befindet. Nach Pausen am Convent Garden und am Trafalgar Square erreichten wir St. Paul´s Cathedral, die als Sitz des anglikanischen Bischofs von London und für ihre imposante Kuppel bekannt ist. Ein Besuch auf der Aussichtsplattform des Tate Modern auf der Südseite der Themse verschaffte uns im Anschluss einen einmaligen Blick über die Bauwerke entlang der Themse, wie beispielsweise the Shard, das höchste Bauwerk des Königreiches. Dieser Wolkenkratzer lag ebenso wie das Globe Theatre, wo die Stücke Shakespeares aufgeführt werden, die London Bridge und das Denkmal für das große Feuer von London 1666 direkt auf dem Weg zu unseren letzten beiden Zielen vor der Rückfahrt nach Hastings, dem Tower of London und der Tower Bridge.

Am nächsten Tag besuchten wir Christ´s Hospital, unsere Partnerschule, die von König Edward VI. als Schule für die armen Kinder Londons gegründet worden war. Auch wenn sie 1902 von der Hauptstadt nach Horsham in der Grafschaft Sussex umgezogen war, wurde die lange Geschichte der Schule unter anderem in der Kantine mit Porträtzeichnungen aller bisherigen Schulleiter sowie eines imposanten, überlebensgroßen Gemäldes von der Gründung der Royal Mathematical School, auf einer Führung über das Schulgelände und im schuleigenen Museum erlebbar. Das zweite Ziel des Tages war die Hafenstadt Brighton, wo sich der berühmte Royal Pavilion befand. König Georg IV., ein Lebemann mit vielen Schulden, hatte das pompöse Gebäude im Stil indischer Mongulpaläste 1815 bis 1822 erbauen lassen.

Der nächste Tag führte uns zunächst in den Londoner Greenwich Park, der international für das Royal Observatory und den fantastischen Blick auf die Docklands, das ehemalige Hafenviertel, bekannt ist. Dort war nach der drohenden Pleite des Gebietes in den 1980er und 1990er Jahren ein Finanzviertel mit imposanten Wolkenkratzern erbaut worden. Mittels U-Bahn erreichten wir daraufhin das Natural History Museum, eines der größten Naturkundemuseen der Welt. Nach einem Stopp am Hyde Park kamen wir am Ende des Tages nach Camden Town, einem Viertel Londons, das mit dem Camden Market einen der berühmtesten Gemischtwarenmärkte Englands besitzt.

Den letzten Tag verbrachten wir in Hastings, wo wir zunächst die Smugglers Caves besuchten. In dem Museum wurde das Zeitalter des Schmuggelns um das Jahr 1800 wiederbelebt. Nach einer kurzen Pause auf den Hügel mit fantastischer Aussicht auf Hastings und die Küste gelangten wir wieder ins Stadtzentrum, wo wir die restlichen Stunden bis zur Rückfahrt nach Hause zur freien Verfügung hatten.

Insgesamt lässt sich sagen, dass die Reise einen gelungenen Querschnitt durch die englische Gesellschaft mit Einblicken unter anderem in das Leben im multikulturellen London, einem königlichen Internat und einer englischen Kleinstadt wie Hastings abbildete. Es war definitiv eine Reise durch ein Land mit vielen Gesichtern, die sich besonders in der Hauptstadt zwischen den reichen Finanzvierteln und den armen Außenbezirken zeigten.

Text: Florian Herrmann (9a)

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