"SteinReich 1984" - Kooperation der AG Technik mit dem SET Tanztheater

Unsere Techniker waren bei einer Kooperationsveranstaltung mit dem SET-Tanztheater am Werk - ein interessante Open-Air Verantaltung auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgeklände (Text m. fr. Genehmigung v. Kulturaspekte.de, Fotos: DAVID KLUMPP)

Das Zeppelinfeld in Nürnberg ist ein besonderer Ort. Hier hat die Vergangenheit tiefe Spuren hinterlassen, und die alten Steine scheinen sich an die dunkle Zeit des Nationalsozialismus zu erinnern. Doch an diesem Abend wurde aus diesem geschichtsträchtigen Platz etwas Neues: stein|reich, eine moderne Tanzversion von George Orwells 1984. Die 47 Stufen des Zeppelin-Walls wurden zur Bühne, auf der Vergangenheit und Gegenwart aufeinandertrafen – nicht als stille Anklage, sondern als ein lebendiges Gespräch. Der Choreograf Sebastian Eilers und sein SETanztheater haben hier kein gewöhnliches Theaterstück gezeigt, sondern den Ort selbst in die Aufführung einbezogen. Die Tänzer – eine Mischung aus Profis und engagierten Laien – bewegten sich zwischen den Stufen, als würden sie die schwere Last der Geschichte tragen. Doch mit jedem Schritt schienen sie diese Last ein wenig abzulegen. Die Tanzszenen waren voller Bilder, die ohne viele Worte auskamen: manchmal bedrückend und eng, dann wieder weit und hoffnungsvoll. Sie zeigten, wie schnell Freiheit verloren gehen kann – und wie schwer es ist, sie zurückzubekommen. Das Tanzensemble bestand aus einer beeindruckenden Gruppe von Performern, neben den Profis Delia Albertini und Lucien Zumofen. Die Musik war ein zentraler Teil der Aufführung. Sophia Schulz, Cellistin beim Orchester Ventuno und im Trio Vier, gab dem Ganzen eine tiefe, gefühlvolle Note. Ihr Cello klang mal traurig und einsam, mal stark und drängend. Manchmal spielte sie allein, manchmal mischten sich ihre Töne mit eingespielten Klängen, die die Stimmung zwischen Bedrohung und Hoffnung wechseln ließen. Diese Mischung aus Musik und Geräuschen zog die Zuschauer in ihren Bann. Gegen Ende der Aufführung kam dann die Stimme von Regina Kland. Ein einziges Lied, das wie ein Hoffnungsschimmer klang – nicht laut oder siegessicher, sondern leise und doch unüberhörbar. Es war ein Moment, der zeigte, dass selbst in der dunkelsten Zeit ein Funke von Veränderung möglich ist. Der Applaus, der schon bei der Generalprobe zu hören war, zeigte, dass die Zuschauer nicht nur ein Stück gesehen hatten, sondern etwas, das sie berührte und zum Nachdenken brachte. stein|reich ist kein politisches Theaterstück, sondern ein poetischer Aufruf. Es zeigt, was war, was sein könnte – und dass wir alle die Möglichkeit haben, etwas zu ändern. Die Aufführung gibt keine einfachen Antworten, sondern stellt Fragen: Wie viel Freiheit sind wir bereit zu verteidigen? Wie wichtig ist uns die Erinnerung, um Fehler nicht zu wiederholen? Und was können wir tun, um eine bessere Zukunft zu gestalten? Die Zusammenarbeit mit der Stabsstelle ehemaliges Reichsparteitagsgelände zeigt, dass das Projekt mehr sein will als nur Kunst. Es soll auch ein Beitrag dazu sein, wie wir uns an die Vergangenheit erinnern. Der freie Eintritt machte das Stück für viele Menschen zugänglich und zeigte: Dies ist kein exklusives Event, sondern eine Einladung an alle, sich mit der Geschichte zu beschäftigen und über die Gegenwart nachzudenken.

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