August Graf v. Platen

Kurzbiographie

  • Geboren: 24. Oktober 1796 in Ansbach 
  • Gestorben: 5. Dezember 1835 in Syrakus
Platen war Nachkomme eines alten, aber verarmten Adelsgeschlechts. Der Vater war Oberforstmeister des Markgrafen von Ansbach-Bayreuth. 1806 trat er in das Kadettenhaus in München ein, 1810 wechselte er ins Pagenhaus. 1814 meldete er sich zur Armee; 1815 machte er als Leutnant den Frankreichfeldzug gegen Napoleon mit, nahm aber an keinem Gefecht teil.
1818 erlangte er eine Dienstbefreiung zum Studium in Würzburg und Hof (vor allem in diversen Sprachen und Literatur). 
Ab 1826 hielt er sich, gefördert von seinem Verleger Cotta, überwiegend in Italien auf, wo er ein rastloses Wanderleben führte.


Zentrale Werke von Platen:

  • 1821 Ghaselen
  • 1821 Lyrische Blätter
  • 1822 Vermischte Schriften
  • 1823 Neue Ghaselen
  • 1824 Schauspiele
  • 1825 Sonette aus Venedig
  • 1825 Der Schatz des Rhampsinit (Tragikomödie)
  • 1826 Die verhändnißvolle Gabel (Komödie)
  • 1828 Gedichte
  • 1829 Der romantische Oedipus (Komödie)
  • 1833 Die Liga von Cambrai (Drama)
  • 1833 Geschichten des Königreichs Neapel von 1414 bis 1443
  • 1834 Gedichte (zweite, vermehrte Auflage)
  • 1835 Die Abassiden (Kleinepos)
  • 1835 Frühlingslieder

Das Grab im Busento

Nächtlich am Busento lispeln bei Cosenza dumpfe Lieder;
Aus den Wassern schallt es Antwort, und in Wirbeln klingt es wieder!
Und den Fluss hinauf, hinunter ziehen die Schatten tapfrer Goten,
Die den Alarich beweinen, ihres Volkes besten Toten.
Allzufrüh und fern der Heimat mussten hier sie ihn begraben,
Während noch die Jugendlocken seine Schulter blond umgaben.
Und am Ufer des Busento reihten sie sich um die Wette,
Um die Strömung abzuleiten, gruben sie ein frisches Bette.
In der wogenleeren Höhlung wühlten sie empor die Erde,
Senkten tief hinein den Leichnam, mit der Rüstung, auf dem Pferde.
Deckten dann mit Erde wieder ihn und seine stolze Habe,
Dass die hohen Stromgewächse wüchsen aus dem Heldengrabe.
Abgelenkt zum zweiten Male, ward der Fluss herbeigezogen:
Mächtig in ihr altes Bette schäumten die Busentowogen.
Und es sang ein Chor von Männern: ”Schlaf in deinen Heldenehren!“
Keines Römers schnöde Habsucht soll dir je dein Grab versehren!"
Sangen's, und die Lobgesänge tönten fort im Gotenheere;
Wälze sie, Busentowelle, wälze sie von Meer zu Meere!

Worum geht es? Es geht um den Westgotenkönig Alarich, der 410 Rom erobert hatte - was nebenbei bemerkt dem großen Augustinus von Hippo die Gelegenheit verschaffte, sein Hauptwerk über den Gottesstaat zu schreiben, das wie kaum ein anderes zur Grundlage christlichen Verständnisses werden sollte. Im Eifer, seinen Siegeszug nach Sizilien und Afrika fortzusetzen, begab sich Alarich nach Cosenza in Kalabrien, wo ihn über den Rüstungen der Tod ereilte.
Um das Grab vor Räubern und die Leiche vor Schändung durch die römischen Truppen zu schützen, leiteten die Goten den Fluss Busento um und ließen tief im Flussbett ein Grab schaufeln, in das sie den König senkten. Dann leiteten sie den Fluss zurück, um dieses Grab von den flutenden Wassern unentdeckbar überströmen zu lassen. - Der Geschichtsschreiber Otto von Freising, der diesen Vorgang in seiner Chronika sive Historia de duabus civitatibus (IX,21) überliefert - einer Fortsetzung des augustinischen Gottesstaates -, ergänzt noch, dass Alarich mit vielen Schätzen beigesetzt worden sei und dass man alle Gefangenen, die Zeugen dieses Vorganges gewesen seien, getötet habe.
(Wikipedia-Eintrag über August Graf v. Platen)

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